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Hintergrundinformationen zur türkischen Börse
Verspielt die Türkei ihre Option auf einen EU-Beitritt nicht leichtfertig, könnte die damit verbundene Konvergenzphantasie den Aktienmarkt in Istanbul über die nächsten Jahre hinweg sehr positiv beeinflussen. Und da es momentan so aussieht, als ob die Türkei vieles dafür tut, auf EU-Kurs zu bleiben, erscheint es lohnenswert zu sein, sich grundsätzlich mit den Rahmenbedingungen am türkischen Aktienmarkt zu beschäftigen.
Das umso mehr, als hierzulande seit Ende Dezember wegen den mit einer neuen Kapitalgewinnsteuer verbundenen Vorschriften der Handel mit türkischen Aktien ausgesetzt wurde. Wer dennoch am boomenden türkischen Aktienmarkt mitmischen will, und dies nicht über die wenigen noch immer handelbaren ADRs oder indirekte Anlageformen wie Fonds oder Zertifikate tun will, dem bleibt nichts anderes übrig, als direkt vor Ort zu agieren. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, finden sich nachfolgend einige wichtige Hintergrundinformationen.
Gut entwickeltes Marktumfeld
Seit Mitte November 1994 gibt es an der Istanbul Stock Exchange, deren Wurzeln bis ins Jahr 1866 zurückreichen, einen voll elektronischen Handel. An Werktagen finden jeweils zwei Sitzungen statt. Eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Konkret wird zwischen 9.30 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 16.30 Uhr Ortszeit gehandelt. Zu beachten ist dabei die Zeitverschiebung, ist die Türkei der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) doch stets um eine Stunde voraus. In der Regel dürfen die Kurse bis zu einer Handelsaussetzung maximal um zehn Prozent nach unten oder oben vom zuvor gültigen Schlußniveau abweichen.
Mit den insgesamt 282 Aktien, die Ende 2005 am Hauptsegment des türkischen Aktienmarkts gelistet waren, gibt es eine für eine Schwellenländerbörse sehr gute Markttiefe. Auch das Handelsvolumen, das sich im Jahr 2005 am Tag auf durchschnittlich 793 Millionen Dollar belief, ist im regionalen Börsenvergleich sehr beachtlich. Das gilt auch für die Marktkapitalisierung, die Ende Februar am Hauptsegment 185,4 Milliarden Dollar betrug.
EU-Kurs macht Türkei interessant
Türkische Anleihen und Aktien, aber auch die Lira sind bereits gut gelaufen. Doch bleibt das Land auf Reform- und EU-Kurs, dürfte noch mehr zu verdienen sein. Wer daran glaubt, dem hilft dieses FAZ.NET-Spezial beim Einstieg.
Mit den insgesamt 282 Aktien, die Ende 2005 am Hauptsegment des türkischen Aktienmarkts gelistet waren, gibt es eine für eine Schwellenländerbörse sehr gute Markttiefe. Auch das Handelsvolumen, das sich im Jahr 2005 am Tag auf durchschnittlich 793 Millionen Dollar belief, ist im regionalen Börsenvergleich sehr beachtlich. Das gilt auch für die Marktkapitalisierung, die Ende Februar am Hauptsegment 185,4 Milliarden Dollar betrug.
Der bekannteste und wichtigste Aktienindex ist der ISE National 100 Index. Wie der Name schon sagt, beinhaltet er die 100 wichtigsten Titel. Das Settlement wird von der ISE Settlement and Custody Bank (Takasbank) abgewickelt. Die Erfüllung des Geschäfts, also die Übertragung des Eigentums und der Austausch der Wertpapiere erfolgt dabei am wichtigsten Marktsegment, dem „National Market“ innerhalb von zwei Tagen nach dem Handelsabschluß. Diese Frist gilt auch für jene Werte, die an den sogenannten „Regional Markets“ gehandelt werden und die Listingvorschriften der Hauptbörse nicht erfüllen. Genauso verhält es sich bei den am „New Company Markets“ gehandelten Titeln. Dabei handelt es sich um ein seit dem 3. April 1995 existierenden Segment für Neuemissionen.
Für sehr große Aufträge oder den Blockhandel gibt es darüber hinaus den „Wholesale Market“. Schließlich gibt es auch noch einen “Watch List Companies Market“. Dahinter steckt ein Sammelbecken für jene Aktien, die wegen außergewöhnlicher Umstände unter besonderer Beobachtung stehen. Zu den Verstößen, die diese Werte begangen haben können, gehören beispielsweise mißachtete Veröffentlichungspflichten. Dieses Segment gibt es seit dem 4. Dezember 1996 und gehandelt wird zwischen 14 und 15 Uhr.
Zu den Veröffentlichungspflichten sei erwähnt, daß die Unternehmen Quartalsberichte präsentieren müssen. Die Halbjahresausweise und Jahresabschlüsse müssen in geprüfter Form vorgelegt werden. Es existiert auch eine Handelsüberwachung, die starke Preissprünge und ungewöhnlich hohe Umsätze untersucht sowie nach Insider-Aktivitäten fahndet.
Informationsbeschaffung kein großes Problem
Was die Informationsbeschaffung über das tagliche Handelsgeschehen anbelangt, erweist sich die türkische Börse als gute Quelle. Unter der Webadresse www.ise.org stellt die Börse etwa eine halbe Stunde nach dem jeweiligen Handelsende Informationen über die Kursfindung in Form von Exceldateien zum Download bereit. Zudem werden periodische Bulletins über die Entwicklungen an der türkischen Börse veröffentlicht.
Auch sonst ist es vergleichsweise einfach, an qualitativ hochwertige Informationen zu kommen. Sehr viele Broker stellen Research auch in englischer Sprache zur Verfügung. Und jene Anleger, die türkisch können, können sich zudem gleich über mehrere Fernsehsender auf dem Laufenden halten, die über die Börse berichten.
Zum Handel mit einem Broker vor Ort sei noch gesagt, daß wegen dem Umstand einer Vielzahl von Brokern, die um Marktanteile kämpfen, die Order-Gebühren im internationalen Vergleich relativ günstig sind. Sie bewegen sich pro Order zwischen 0,2 und 1,0 Prozent. Wie immer hängt die Gebührenhöhe dabei neben dem individuellen Verhandlungsgeschick aber auch von der Anzahl der Trades und dem Auftragsvolumen ab. Die Broker besorgen ihren Kunden auch eine türkische Steuernummer, womit sich die Probleme, die zur Einstellung des Handels mit türkischen Aktien in Deutschland geführt haben, beheben lassen.
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