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Die IS Bank, größtes börsennotiertes Kreditinstitut der Türkei, meldete für das dritte Quartal einen Nettogewinn von umgerechnet 197 Mio. Euro – fast drei mal so viel wie im Vorjahr. Auch die staatliche Vakifbank konnte ihren Gewinn verdreifachen. Die Finansbank, eine Türkei-Tochter der National Bank of Greece, meldet einen doppelt so hohen Gewinn wie im Vorjahr. Auch die Akbank, Nummer vier der Branche, konnte ihr Ergebnis um 95 Prozent steigern.
Unter dem Strich erwarten Marktbeobachter für das Geschäftsjahr 2009 im Branchendurchschnitt eine Gewinnsteigerung von rund 33 Prozent. Dieses Ergebnis ist umso beachtlicher, als das türkische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um rund fünf Prozent schrumpfen könnte.
Dass die türkischen Banken die Krise bisher so gut meisterten, verdanken sie einerseits ihren eher konservativen Geschäftsmodellen: Kein Institut hatte in nennenswertem Umfang Giftpapiere in den Büchern. Als ein Segen erwies sich aber vor allem, dass die Branche bereits 2001 durch eine schwere Finanzkrise gegangen war. Sie ließ nicht nur mehr als ein Dutzend Banken zusammenbrechen und leitete so eine lange überfällige Konsolidierung der Branche ein, die seit Jahrzehnten als die Achillesferse der türkischen Volkswirtschaft galt.
Auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) verpasste die türkische Regierung den Kreditinstituten einen engen Regulierungsrahmen. Wichtigste Konsequenz aus der Krise 2001: Die Mindestanforderung an die Eigenkapitalquote der Banken wurde von acht auf zwölf Prozent heraufgesetzt.
Heute übertreffen die meisten Institute diese Vorgabe bei weitem: Im Schnitt lag die Eigenkapitalquote Mitte 2009 bei knapp 18 Prozent – international ein Spitzenwert. Vor allem dieser soliden Kapitalisierung ist es zu verdanken, dass keine einzige türkische Bank während der Krise Staatshilfe in Anspruch nehmen musste. Entsprechend selbstbewusst gehen die Institute ins nächste Jahr.
Die türkische Finanzbranche hat insbesondere im Kreditgeschäft noch viel Wachstumspotenzial. Doch gerade hier lauern erhebliche Risiken. Denn immer mehr Schuldner können ihre Kredite nicht bedienen. „2010 wird kein leichtes Jahr“, fürchtet Nafiz Karadere, Vizepräsident der Garanti Bank.
In diesem Jahr habe vor allem der Zinsrückgang bei türkischen Staatsanleihen den Banken gute Gewinne beschert, sagt er. Ein härterer Wettbewerb im Kreditgeschäft werde jedoch 2010 die Margen drücken, fürchtet der Garanti-Vizechef. Zugleich dürften die Ausfälle zunehmen. Vor der Krise waren in der Türkei 3,2 Prozent der Bankkredite notleidend.
Gegenwärtig sind es 5,2 Prozent. Dieser Anteil könnte nach Hochrechnungen von Experten bis Ende 2010 auf acht Prozent steigen. Ersin Özince, CEO der Isbank und Präsident des türkischen Bankenverbandes TBB, blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft: Die türkische Realwirtschaft sei in „keiner schlechten Verfassung“. Er erwartet, dass die Türkei bald zu den hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre zurückkehrt. Quelle: Handelsblatt vom 20.11.2009
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